Am 29.7.2011 hat die französische Unfallbehörde BEA ihren 3. Zwischenbericht der Untersuchungen über die Absturzursachen des Air France-Flug AF 447 veröffentlicht. Dieser macht  deutlich, dass durch die Vereisung der Pitot-Rohre und vermutlich darauf beruhende falsche Anzeigen die Crew die Situation zu keinem Zeitpunkt voll überblicken konnte und aufgrund von Informationsdefiziten oder falschen Annahmen fatale Entscheidungen fällte, die letztendlich zum Absturz des Flugzeuges über dem Südatlantik führte.

Auch wenn die Piloten möglicherweise „suboptimal“ gehandelt haben sollten und vielleicht Ausbildungsdefizite vorlagen, beschleicht mich der Verdacht, dass mit dem Bericht von dem “eigentlichen” Problem abgelenkt werden soll und wird: Wie konnte es geschehen, dass Flugzeug und Piloten in diese Situation geraten sind? Lag die Ursache  im System der Flugzeugsteuerung? Und diese Frage drängt sich auf. Schließlich war und ist “Konstruktions-Philosophie” von Airbus Industrie (AI), den “fehlbaren” Menschen durch einen (vermeintlichen) “unfehlbaren” Computer in seinen Handlungen einzuschränken. Wen es interessiert: Ich habe diesen Konkflikt schon 1999 in meiner Antrittsvorlesung an der TU Dresden aufgezeigt. (Nachzulesen ist das in der Zeitschrift für Luft- und Weltraumrecht 2000, S. 347 ff.)

Wenn  bei diesem Unfall tatsächlich ein Systemfehler im die Ursache gewesen sein sollte (und dafür gibt es nach meinen Informationen Hinweise auch aus früheren Vorkomnissen), hat AI natürlich ein großes Interesse daran, dass vordergründig ”nur” ein Pilotenfehler diskutiert und somit vom hauptursächlichen Fehler der Bordcomputer abgelenkt wird.

Auffallend ist für mich, der ich beruflich schon viele Flugunfallberichte lesen und juristisch auswerten musste, dass im 3. Zwischenbericht  die Aufzeichnungen des Voice recorders separiert wiedergegeben werden. Üblich ist aber, dass diese in den Kontext mit den technischen Aufzeichnungen des Flugschreibers (z.B. solche über über die Flugsteuerungen und die Lage des Flugzeuges) gestellt werden, so dass technische Vorgänge und die Einschätzungen der Piloten erkennbar werden. Denn nur dann lässt sich ableiten,

- welche Informationen die Piloten hatten oder nicht hatten,
- welche und Handlungs möglichkeiten die Piloten hatten oder nicht hatten, und
- warum sie wie gehandelt oder nicht gehandelt haben.

Man mag rätseln, warum das (noch?) nicht geschehen ist. Hony soit qui mal y pense!?

Bis das nicht geschehen ist und man kein korrektes Bild von den Vorgängen an Bord des Fluges AF 447 hat, halte ich es für unseriös, den Unfall allein mit dem Fehlverhalten der Piloten zu erklären und die denkbare und mögliche (Mit-)Verantwortung des Herstellers (Airbus Industries) und Betreibers (Air France) nicht mit einzubeziehen.

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